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Der Splitter im Auge Gottes

Der Splitter im Auge Gottes von Larry Niven und Jerry Pournelle, 1974

  • Original-Titel: The Mote in God's Eye
  • Übersetzung von Yoma Cap
  • 624 Seiten
  • Science-Fiction

Inhalt

Rod, Ben und Sally versuchen im letzen Drittel des Buches rauszubekommen, was der Leser schon mit Horst im zweiten Drittel erlebt hat. Das ist nicht nur an sich schon mäßig spannend, die Handlung ist vor allem auch nicht in einem Baumhaus angesiedelt, sondern Rod, Ben und Sally sind die total wichtigsten Menschen in der Sache und Rod und Sally sind verliebt, aber Sally ist so voll das Mädchen und Rod so voll ein Prinz und Ben trägt gern ausgebeulte Sachen und dabei ist er doch so voll wichtig, dass sogar der Kaiser ihn in diese so voll wichtige Position gebracht hat, dass er sich um die gerade aufgetauchten Ausserirdischen kümmern soll. Und Horst. Ist tot.

Aber das ist eine lange Geschichte (und sie liest sich ungefähr wie der obige Absatz - inklusive dieses Einwurfs).

Stil und Umsetzung

Mit eine guten Idee dahinter, aber einer wirklich sehr schlechten Umsetzung. Da der Schreibstil von David Niven (z.B. in dem vier Jahre früher erschienenen „Ringworld“) ein ganz anderer ist, liegt die Vermutung nahe, dass Mr. Niven hier die Ideen beisteuerte und das leidige Geschreibsel jemanden machen ließ, der seine fünfzig Seiten am Tag ohne Probleme hinbekommt. Denn genau nach dieser Massenware mutet das Buch an - Groschenroman.

Die Figuren sind flach und klischeehaft bis ins tendenziöse - der liberale Wissenschaftler, der natürlich im Endeffekt eklatant im Unrecht liegt, aber alle permanent nervt, die einfach nur ihre Pflicht erfüllen wollen, der Wissenschaftler wird natürlich mit Nachnamen angeredet. Der überwiegende Rest wird nicht nur geduzt, sondern auch noch kumpeligst und kosenameligst durch jede noch so offizielle und dramatische Situation gehätschelt. Der ach so gefährliche (muslimische) Händler-Fürst ist so schlicht und tumb, dass er in der Foundation von Asimov bestenfalls an der Kasse eine imperialen Fastfood-Kette stehen würde.

Der Stil ist sprunghaft, häufig ist nicht klar, wer gerade redet - und der Autor hat auch noch eine Vorliebe für Viel-Parteien-Gespräche. Spannungsbögen? Sucht man vergebens, wirklich dramatische Momente überliest man beinahe im zähen Fluss der Worte. Die Eröffnung eines Feuergefechtes (Horsts vorletzten) auf der Flucht auf dem fremden Planeten und die erste Begegnung mit dem schröcklichen Geheimnis verläuft wie folgt: „Der Wagen hielt mit einem Ruck, während Staley ihn mit seiner Waffe bestrich, von einem Ende zum anderen.“ Das rockt wie Nieren-Tee!

Ideen und Konzepte

Und die Ausserirdischen? Najaaaaa. Interessante Idee, anders sind sie auf jeden Fall, nicht soooo anders, aber mit eine ganz anderen Geschichte und ganz anderen Auffassungen und einem ganz schröcklichen Geheimnis. Das man - wie gesagt - ganz allein durch's zähe letzte Drittel trägt. Horst ist tot.

Interessant ist der Ansatz, dass die Menschheit eine Imperiums-Religion hat und der Herr Kaplan den selben Rang wie Käpt'n Ron (der Protagonist (im weitesten Sinne)). Religion als Motivator der Truppen, hier wäre bei Interesse eine Reflektion des Kreuzritter-Motives möglich gewesen, aber Implikationen scheinen dem Autoren zu mühselig gewesen zu sein. Oder nicht bekannt.

Der Punkt Evolution kommt bei den sehr, sehr alten Ausserirdischen zum Tragen, aber nur insoweit, wie es die Geschichte nicht stört. Spätestens mit der weit fortgeschrittenen Gen-Technik der Rasse allerdings bricht die Glaubwürdigkeit das schröckliche Geheimnisses zusammen.

Fazit

Das Buch entgegen der Klappentextbehauptung kein Schmöker, dafür liest sich zumindest die deutsche Übersetzung viel zu holprig - der Übersetzer Yoma Cap hat eine beeindruckende Werkliste, daran wird's wohl nicht liegen.

Lohnt es sich das Buch zu lesen? Nein - die Figuren sind uninteressant, die menschliche Zivilisation ist skizziert und detailarm, eigentlich will man nur wissen, was das Geheimnis der Ausserirdischen ist - und das erfährt man auch noch sehr früh (und ahnt es noch früher).

buch/der_splitter_im_auge_gottes.txt · Zuletzt geändert: 2010/05/20 09:25 von hkolbe