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Projekt Luna

Projekt Luna von Algis Budrys, 1960

  • Original-Titel: Rogue Moon
  • 159 Seiten
  • Science-Fiction (Pulp)

Inhalt

Auf dem Mond hat man ein nicht von Menschen erschaffenes Bauwerk entdeckt. Auch wenn wir noch nicht so weit sind, Menschen auf den Mond zu schicken - wir haben Dr. Hawks Materie-Transmitter dort hinauf gebracht und können jetzt zumindest Kopien von Menschen auf den Mond transportieren. Um das Bauwerk zu erforschen. Viele Leute, denn das Gebäude tötet die Forscher nach nur wenigen Minuten! Gut, es sind “nur Kopien”, aber die Originale sind immer noch telepathisch mit ihnen verbunden - was an sich gut ist, denn das Gebäude unterbindet sämtliche Übertragungen. Leider verlieren die Originale regelmäßig den Verstand dabei. Was für in Glück, dass wir den internationalen Gefahrensucher Al Barker haben, der mit seinen verrückten Versuchen, seine Männlichkeit zu beweisen, hinreichend suizidal veranlagt ist, um das zu überstehen.

Stil und Umsetzung

Das ist der Teil des Buches, den ich noch gewillt wäre als interessant zu bewerten. Cheesy, aber doch mit einem gewissen Reiz. Im Ansatz zumindest.

Doch leider besteht das Buch zu einem Großteil aus dem Versuch, Charaktere zu entwickeln, die in einem Western- oder einem Pre-Bond Spionage-Groschenroman besser aufgehoben wären. Stereotypen von whiskey-getränkten Draufgängern, genialen Wissenschaftlern, schleimigen Human-Ressources-Managern und nymphomanen Vamps vor einem dürftig recherchiertem und nicht sonderlich konsistentem Szenario. Die außerirdische Entdeckung ist natürlich geheim, sprich: Der Autor reduziert die Bandbreite seiner Geschichte noch weiter.

Ideen und Konzepte

Gut, vielleicht ist es die Vorlage des ebenso legendären wie unmöglichen Beamens, aber ohne beinahe-irgendwie-wissenschaftliche “Erklärungen” ist das Prinzip doch erheblich erträglicher. Physik gehörte nämlich sicherlich nicht zu den Interessengebieten von Budrys, jedenfalls nicht die, die an Schulen und Universitäten gelehrt wird. Dennoch sind seine Ausführungen zur Technik ebenso ausführlich wie unverständlich, zumindest wenn man bis zur 9. Klasse Physik hatte. Es passt meist einfach nicht - verquere Vorstellungen werden nicht dadurch richtig, dass man sie in den Mund des genialen Wissenschaftlers legt.

Und dass eine kurzfristige telepathische Verbindung zwischen Original und Kopie bestehen soll, ist an sich schon hanebüchen, die Erklärung dass dieses zustande kommt, weil beide das selbe Gehirn sind, ist offensichtlichst dem Bestreben geschuldet, hier ein skurriles Szenario zu schaffen, um den Helden Barker in all seinen Facetten darstellen zu können: Draufgängertum, Draufgängertum und Draufgängertum. Die Frage, was Wissenschaft kann und darf, wird nur angerissen, Al Barker ist eh die Antwort. Ganz besonders enttäuschend: Das mysteriöse Gebäude auf dem Mond bleibt mysteriös - wir erfahren im Lauf des Buches absolut nichts Neues über es.

Fazit

Das Buch tut sich weder durch gute Ideen (schon gar nicht Zukunftskonzepte), noch durch interessante Charaktere hervor, es liest sich holprig und taugt bestenfalls als Zeitdokument aus der Zeit, als Beamen noch wahrscheinlicher als bemannte Raumfahrt war. Was auch Budrys’ Vorstellungshorizont verdeutlicht.

buch/projekt_luna.txt · Zuletzt geändert: 2010/08/01 12:15 von akolbe