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Goldene Regel

Simpler ethischer Grundsatz, wie folgt:

Behandle andere so, wie du von ihnen behandelt werden willst.

Der deutsche Volksmund machte daraus:

Was du nicht willst, dass man dir tu’, das füg’ auch keinem anderen zu.

Dieser Grundsatz ist auch für kleine Kinder leicht verständlich und nachvollziehbar.

Ursprung

Der Versuch der christlichen Leidkultur, diesem Satz einen christlichen Ursprung zu erlügen, ist nicht gelungen. Nachweislich ist dieser Satz in allen Kulturen und schon vor der Erfindung des Christentums entstanden.

Konfuzius

Was du selbst nicht wünschst, das tue auch anderen nicht an.Konfuzius (551–479 v.d.Z.) - Gespräche1)

Jainismus

dann sollte man […] alle Lebewesen so behandeln wie man selbst behandelt werden will. Sutrakritanga, kanonische Schrift des Jainismus, entstanden 600-300 v.d.Z., 10. Lektion, Vers 3

Buddhismus

Was für mich eine unliebe und unangenehme Sache ist, das ist auch für den anderen eine unliebe und unangenehme Sache. Was da für mich eine unliebe und unangenehme Sache ist, wie könnte ich das einem anderen aufladen?aus dem Pali-Kanon, mündliche Überlieferung, niedergeschrieben 29 v.d.Z. auf dem 4. Buddhistischen Konzil 2)

Altorientalische Weisheit

Aus der 700 v.d.Z. entstandenen Spruchsammlung des Achiqar, welches auch die Quelle für die Erwähnung in jüdischen Texten ist:

Sohn, was dir übel erscheint, tue deinem Mitmenschen nicht an. Was immer du willst, dass dir es die Menschen tun, das tue du allen.Armenischer Achiqar A II,88 und B 533)

Griechisch-römische Antike

Diese Quellen sind auf Grund christlicher Ein- und Übergriffe größtenteils nicht mehr erhalten oder sind so manipuliert worden, dass sie nicht mehr zitierfähig sind.

Christlicher/Jüdischer Ursprung der Goldenen Regel?

Im apokryphen Buch Tobit (Altes Testament) gibt es eine Stelle, die der Goldenen Regel nahekommt - nicht verwunderlich, der Gedanke der Goldenen Regel war seit Jahrhunderten auch in der Gegend4) bekannt. Als Quelle für das Buch Tobit ist die 700 v.d.Z. entstandene Spruchsammlung des Achiqar mittlerweile unbestritten.

Das Buch Tobit entstand vermutlich ca. 200 v.d.Z. - ist aber nicht Teil der jüdischen oder christlichen „heiligen Schriften“ geworden.

Der Religionsstifter des Christentums Jesus von Nazareth erwähnt die Goldene Regel:

Und wie ihr wollt, daß euch die Leute tun sollen, also tut ihnen gleich auch ihr.

Dem Gott des Alten Testamentes, getrieben von Zorn und Eifersucht, die Goldene Regel zu unterstellen, erfordert schon einiges an Chuzpe.

1)
Ralf Moritz (Übersetzer): Konfuzius: Gespräche (Lun-Yu). Reclam, Ditzingen bei Stuttgart 1998, ISBN 3150096561 (1. Auflage 1982).
2)
Ilse-Lore Gunsser (Übersetzer): Reden des Buddha. Aus dem Pâli-Kanon. Reclam Verlag, Stuttgart 1987, ISBN 978-3-15-006245-6, S. 40f.
3)
Armenischer Achiqar A II,88 und B 53; Merten Rabenau: Studien zum Buch Tobit, Walther de Gruyter, 1. Auflage 1994, ISBN 3110141256, S. 56, Fußnote 177.
4)
die Funde von Qumran bestätigen, dass dieses Buch eine semitischsprachige Vorlage hatte
goldene_regel.txt · Zuletzt geändert: 2019/03/05 16:01 (Externe Bearbeitung)