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Inkonsistenzen in Genesis (1. Buch Mose)

Unterseite von Überblick: Inkonsistenzen in der Bibel

„Genesis“ hat es besonders schwer, da ihm sich widersprechende Quellen zugrunde liegen (s.u.).

Die zwei Schöpfungsgeschichten

Auch dem verzücktesten Leser wird nicht entgehen, dass wir zwei sich widersprechende Schöpfungsgeschichten haben: in GEN 1,1 - 2, 4 und GEN 2, 5 - 25. Zahllose Interpretationsversuche erheitern uns bis heute, stellen sie doch klar, wer hier den eigentlichen Schöpfergeist hat - der Mensch. Doch diese „Pseudo-Tiefgründigkeiten“1) brachten kein Licht in die Angelegenheit2) - das kam erst durch die aufgeklärte Bibelforschung.

Die einfachste, offensichtlichste und damit wahrscheinlichste Erklärung von zwei unterschiedlichen Texten ist natürlich die doppelte Autorenschaft. Der erste Text ist die Beschreibung von „altem Wissen“ durch einen jüdischen Priester, dessen Stil sich in Teilen der ersten vier Bücher finden läßt. Die besondere Hervorhebung des Sabbats legt nahe, dass der erste Text Ende des 6. Jahrhunderts v.d.Z. entstand3) - nach der Rückkehr aus dem Exil gewann dieser Feiertag erst an Bedeutung.

Die zweite Version, der auch der „Sündenfall“4) angehängt ist, ist das Werk eines zweiten Autoren, der ebenfalls in den ersten vier Bücher wiederholt auftaucht. Er erwähnt nirgends den - traumatischen - Untergang des Nordreiches um das Jahr 722 v.d.Z., was nahelegt, dass er vorher schrieb. Ebenso scheint er vom Werk des Hesiod beeinflusst zu sein, der im 8. Jahrhundert v.d.Z. einen misogynen Schöpfungsmythos schrieb, seine neugierige „Pandora“ (die mit der Büchse der Pandora) ist wahrscheinlich die Vorlage für die biblische „Eva“.

Beide Geschichte wurden höchstwahrscheinlich vor 400 v.d.Z. zusammengestellt, da bei Bekanntheit erreicht hatten, war die Tilgung einer Version nicht mehr möglich. Es liegt nahe, dass es dem Kompilator der dieses vornahm und seinem Auftraggeber bzw. Übergeordneten nicht um die „eine letztendliche und ausschließliche Wahrheit“ ging, sondern dass er zwei Geschichten verbinden musste, deren Widersprüchlichkeit - in gewisser Weise - reizvoll war. 5)

Und letzten Endes steht mehrfach im AT, dass man den Priestern nichts widersprechen darf. Gott JHWH sei Dank dafür.

Die ersten Menschen

Das ungehörte Verbot

Wie konnte Eva nur den Apfel essen? Gott sagt es doch ganz klar und deutlich:

Ach, Eva gab's noch gar nicht?

Das ändert natürlich … gar nichts.

S.a. Das Frauenbild der Bibel

Woher kommt Kains Weib?

Wenn Adam und Eva die ersten Menschen waren - woher kommt dann plötzlich die Frau für ihren erstgeborenen Sohn?

An solch einer neuralgischen Stelle ein solcher Schnitzer? Oder war den Verfassern und Lektoren der Bibel das gar nicht als widersprüchlich vorgekommen? Nein, in der Zeile davor steht's doch:

Wird er wohl eine dort lebende Frau zum Weib genommen haben! Woher die kommt? Na, wo Leute halt herkommen - die wohnen da. Ach, „Adam und Eva“? Das ist „eine Geschichte“, nicht „Geschichte“, ihr Narren.

Warum hat Kain Angst erschlagen zu werden?

Niemand außer seinen Eltern lebt laut Bibel auf der Erde, aber Kain hat Angst, dass „man“ ihn erschlägt:

Und selbst Gott geht nicht davon aus, dass Adam und Eva die einzigen anderen Menschen auf der Erde sind und schützt ihn mit einem Zeichen:

Nochmal klar gestellt, das sog. Kainsmal ist ein Schutzzeichen Gottes! Im christlich-abendländischen deutschen Sprachraum ist es der Ausdruck eines Schuld- und Schandzeichens.

Die ersten Riesen

Was Gott sagt, das geschieht auch so

Wer vom Baum der Erkenntnis isst, stirbt am selben Tag

Wenn es eine Regel gibt, die Eltern beherzigen sollten, dass ihre Kinder sie achten, dann diese: Steh zu Deinem Wort! Auch bei Deinen Androhungen - anderenfalls werden Dir die Blagen auf der Nase herumtanzen. Gott JHWH droht mit dem Tode am selben Tage, wenn jemand vom Baum der Erkenntnis isst:

denn welchen Tages du davon issest, mußt du unbedingt sterben!

Und „Vater Euer“ ist halbarschig: Schimpft, droht und ist beleidigt - und steht nicht zu seinem Wort (nicht das letzte Mal):

Gott verflucht Kain vergebens

Gott schmeißt Kain raus und verflucht ihn zu ewiger Wanderschaft.

Und Kain? Geht nach Osten … und bleibt dort. Ende der Geschichte.

Gott gibt Kanaan an Abrams Volk - für immer

Kanaan - By Pearson Scott Foresman [Public domain], via Wikimedia CommonsAbram lebte im Land Kanaan und Gott gab ihm dieses Land für alle Zeit.

In der Realität ist dies leider nicht passiert, siehe: Jüdische Diaspora

Gott verspricht Jakob (a.k.a. "Israel"), ihn wieder heim zu führen

Was er nicht tut:

Die Schönheit der Sara

Ein running-gag der Bibel ist: „Sie ist gar nicht meine Frau, sondern meine Schwester.“ Dies mag eine gute Idee sein, da es damals anscheinend nicht unüblich war, einfach den Mann einer schönen Frau umzubringen (auch der große König David tut dies (2. Samuel 11)).

Abraham fürchtet den lüsternen (und wieder mal namenlosen6)) Pharaoh, denn seine Frau und - witzigerweise auch - Schwester Sara ist mit ihren 65 Jahren immer noch unwiderstehlich. 65 Jahre wurden in der Eisenzeit7) die allerwenigsten - die allgemeine Lebenserwartung waren damals gerade mal 268) Jahre!

Sara ist zehn Jahre jünger als Abraham:

Das absurd hohe Alter wird für die Geschichte mit der späten Geburt gebraucht, die Geschichte vom lüsternen Pharaoh musste halt einfach noch mit rein - egal wie absurd.

"Gut" hat doch nichts mit "gerecht" zu tun

Im 1. Buch Mose 12 kommt Abraham mit seiner Frau und Schwester Sara nach Ägypten und verschweigt aus - vermutlich berechtigter9) - Angst, dass sie seine Frau ist.

Prompt wirft der Pharaoh ein Auge auf die 65-jährige Sara und wirbt um sie, wofür Gott JHWH den Pharaoh und seine Familie bestraft:

Interessanterweise will der Autor hier ganz klar machen, dass es hier nicht um Ethik geht, sondern darum, wer den mächtigsten Gott hat - der Pharaoh darf sich nämlich auch noch über die Ungerechtigkeit beschweren:

Ethik ist das, was die Kirche jahrtausende in die Bibel reinlügen musste → FIXME

Handlungslöcher, die verdächtig sind

Der betrunkene Noah und seine Söhne

Eines Tages betrinkt sich Noah - nach biblischen Maßstäben ist das völlig in Ordnung - und liegt „aufgedeckt“ im Zelt.

Huch, hätte Ham nicht auch seinen Vater zudecken können? Naja, machen's halt die beiden Brüder… nicht weiter wild, oder? Eher nicht:

Die Frage bleibt offen: Was hatte ihm sein jüngster Sohn getan? Und warum verflucht er nicht den Sohn, sondern den Enkel? Wie auch immer: das ist Sippenhaftung.

1)
Den Terminus „Pseudo-profundity“ prägte der engl. Philosoph Stephen Law in seinem Buch „Believing Bullshit“
2)
Beispiel gefällig? „Es sind verschiedene Bedeutungsebenen, die ein erleuchtetes Ganzes aus ihm machen.“
3)
Robin Lane Fox, Geheimnisse, S. 25 (dort weitere Referenzen)
4)
Der hebräische Text enthält weder das Wort „Sünde“, noch „Sündhaftigkeit“
5)
Selbiges tat er auch mit der Sintflut-Geschichte.
6)
Zur Erklärung, warum die Pharaohnen niemalls benannt werden: Der biblische Auszug der Israeliten aus Ägypten
7)
noch 1950 war die durchschnittliche Lebenserwartung bei 48 Jahren!
9)
Auch König David läßt den Mann der schönen Batseba ermorden, in: 2. Samuel 11
inkonsistenzen_in_genesis_1._buch_mose.txt · Zuletzt geändert: 2019/03/05 16:01 (Externe Bearbeitung)